Depression – die vernachlässigte Volkskrankheit

Noch immer mit viel Scham und Stigma verbunden

Fotalia

Jedes Jahr erkranken rund sieben Prozent der Schweizer Bevölkerung an einer Depression. Laut WHO* rangiert die Depression weltweit auf Platz zwei der Volkskrankheiten – direkt hinter den kardiovaskulären Leiden. Trotzdem ist Depression für viele noch immer ein Tabuthema – mit potenziell fatalen Folgen. Denn eine rechtzeitige Diagnose und Therapie ist für den Heilungsprozess matchentscheidend.

Von Judith Setz

Chronischer Stress am Arbeitsplatz, eine hohe Anspruchshaltung an sich selber, belastende Lebensumstände wie beispielsweise Arbeitslosigkeit oder eine Scheidung sind nur einige Faktoren, die zu einer Depression führen können. Jeder vierte Mensch erkrankt mindestens einmal im Leben an einer Depression, wobei Frauen doppelt so häufig davon betroffen sind wie Männer.

Traurigkeit und Schuldgefühle

«Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, leiden unter einer anhaltenden gedrückten Grundstimmung. Sie sind traurig, niedergeschlagen und leicht reizbar. Je nach Schweregrad der Depression kommen noch weitere Symptome wie Schlafstörungen, Appetitverlust und Angstzustände sowie eine verminderte Mimik und Gestik hinzu», erklärt Dr. Fritz Ramseier, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH in Rheinfelden. «Aber nicht jeder Mensch, der traurig ist, leidet gleich automatisch an einer Depression», betont Dr. Ramseier. Stimmungstiefs sind normale Gefühlsreaktionen, genauso wie Schmerz, Trauer, Enttäuschung, Eifersucht.
Der Unterschied zwischen normalen Stimmungstiefs und einer Depression liegt darin, dass Menschen mit Depression sich rund um die Uhr schlecht fühlen und nicht davon abgelenkt werden können. «Laden Sie zum Beispiel einen traurigen Menschen ins Kino ein, wird er von seiner Trauer abgelenkt, es geht ihm in diesem Moment besser und er kann sich auf sein Gegenüber einlassen. Dies gelingt bei depressiven Menschen nicht. Sie fühlen sich weiterhin schlecht und werden zudem noch von Schuldgefühlen gegenüber jener Person geplagt, die versucht hat, sie abzulenken».

Vielfältige Therapiemöglichkeiten

«Depressionen werden in drei Schweregrade unterteilt: leicht, mittel, schwer», so Dr. Ramseier. Je nach Schweregrad hat dies Auswirkungen auf die Art der Therapie. «Zur Behandlung einer Depression stehen verschiedene Therapie­möglichkeiten zur Verfügung. Bei einer leichten Form reicht oftmals eine Psychotherapie. Ab einer mittleren bis schweren Depression sollten jedoch zusätzlich zur Psychotherapie noch weitere Behandlungsmethoden kombiniert werden. Dies kann beispielweise die Einnahme von Medikamenten, eine Lichttherapie oder eine Elektrokrampfbehandlung sein, um nur einige zu nennen.» Möchte ein Patient lieber keine Antidepressiva einnehmen, kann zuerst auch die Behandlung mit sogenannten Phytopharmaka versucht werden. Diese sind im Gegensatz zu den Antidepressiva nicht synthetisch hergestellt, sondern bestehen aus pflanzlichen Wirkstoffen. «Bei leichten und mittleren Depressionen hat man gute Erfahrungen mit Phytopharmaka wie dem ­Johanniskraut gemacht», erklärt Dr. Ramseier. Schwere Depressionen hingegen können mit Phyto­pharmaka nicht therapiert werden.

Rechtzeitige Diagnose 
und Behandlung

«Obwohl Depressionen weitverbreitet sind, ist die Erkrankung immer noch mit viel Scham und Stigma verbunden und viele Betroffene nehmen lange keine Hilfe in Anspruch», sagt Dr. Ramseier. Dabei ist für den Heilungsprozess eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung ausschlaggebend. «Auch bei Verdacht auf eine leichte Depression lohnt es sich auf jeden Fall, einen Arzt aufzusuchen», betont Dr. Ramseier.

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