Liebevolle Kindheit führt zu stabilerer Beziehung

Prägung durch familiäres Umfeld wirkt sich noch 60 Jahre später aus

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Das Aufwachsen in einem warmherzigen Umfeld führt zu einem größeren Gefühl der Sicherheit in Liebesbeziehungen - und das auch noch nach dem 80. Lebensjahr. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Harvard Medical School hms.harvard.edu . Das Team um Robert Waldinger hat nachgewiesen, dass diese Männer auch im mittleren Alter mit emotional stressigen Situationen besser umgehen konnten. Daher sind deren Ehen im späteren Leben oft auch stabiler.

Gut für soziale Kompetenz

"Unsere Studie zeigt, dass der Einfluss der Kindheitserfahrungen auch noch nachgewiesen werden kann, wenn Menschen mehr als 80 Jahre alt sind. Damit lässt sich vorhersagen, wie glücklich und stabil ihre Beziehungen auch in diesem Lebensalter sein werden", so Waldinger. Dieser Zusammenhang ist teilweise darauf zurückzuführen, dass eine warmherzigere Kindheit in der Lebensmitte einen besseren Umgang mit Gefühlen fördert und sich auch positiv auf die soziale Kompetenz auswirkt.

Für die Langzeitstudie haben die Forscher die gleichen Menschen sechs Jahrzehnte lang begleitet. Dadurch konnten in der Folge auch die lebenslangen Folgen von Kindheitserfahrungen untersucht werden. Bei allen Ereignissen, die Menschen zwischen dem Heranwachsen und dem neunten Lebensjahrzehnt betreffen, ist es laut Co-Autor Marc Schulz vom Bryn Mawr College brynmawr.edu bemerkenswert, dass sich der Einfluss der Kindheit auf eine Ehe im hohen Alter immer noch nachweisen lässt.

Frühe Erfahrungen prägen

Waldinger und Schulz analysierten die Daten von 81 Männern, die an einer 78 Jahre laufenden Studie zur Entwicklung Erwachsener teilgenommen hatten. 51 von ihnen waren Teil der Harvard-College-Kohorte, 30 Männer der Kohorte zur Innenstadt von Boston. Alle Männer wurden während der Laufzeit der Studie regelmäßig interviewt und füllten Fragebögen aus. Zu Beurteilung ihres familiären Umfelds während der Kindheit wurden Daten ausgewertet, die von den Heranwachsenden stammten. Dazu gehörten auch Gespräche mit Eltern und Berichte von Sozialarbeitern. Daraus wurde ein Bild des familiären Umfelds zusammengesetzt.

Als die Teilnehmer zwischen 45 und 50 Jahre alt waren, wurden Interviews zu den Herausforderungen verschiedener Lebensbereiche durchgeführt. Dazu gehörten Beziehungen, ihre körperliche Gesundheit und ihre Arbeit. Als die Männer Ende 70 oder Anfang 80 waren, wurde ein halbstrukturiertes Interview durchgeführt, das sich auf die Bindung zum aktuellen Partner konzentrierte. Dazu gehörten auch Fragen zur Ehe, wie wohl sie sich bei einer Abhängigkeit fühlten oder wie gerne sie den Partner selbst unterstützten.

Die Forscher konnten nachweisen, dass Teilnehmer, die am Anfang ihres Lebens über ein fürsorgliches Umfeld verfügten, später eher stabile Beziehungen zu ihren jeweiligen Partnern hatten. Laut Waldinger ist damit nachgewiesen, welche weitreichenden Auswirkungen die frühen Erfahrungen auf das ganze restliche Leben eines Menschen haben. Die Forschungsergebnisse legen aber laut den beiden Experten auch nahe, dass Unterstützung beim Umgang mit Gefühlen die Auswirkungen früher negativer Erfahrungen verringern.

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