Viele Briten arbeiten krank als dass sie krankfeiern

Presenteeism laut Experten als Gefahr für Produktivität und Arbeitsmoral

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Britische Arbeitnehmer gehen viel eher trotz Erkrankung in die Arbeit, als mit angeblichen Wehwechen krankzufeiern. Das hat eine Umfrage des Versicherers Aviva aviva.co.uk ergeben. Gut zwei Drittel der Briten haben demnach schon krank gearbeitet, nicht einmal ein Viertel mit falschen Erkrankungen blau gemacht. Dieser Trend zum "Presenteeism" schlägt sich in sinkenden Krankenstandstagen nieder - gefährdet aber laut Aviva Produktivität und Arbeitsmoral.

Arbeiten senkt Krankenstände

Das Phänomen des Presenteeism, also des Arbeitens trotz Erkrankung, ist in Großbritannien auf dem Vormarsch. 69 Prozent der Abreitnehmer in der Privatwirtschaft sind der Aviva-Studie zufolge schon zur Arbeit gegangen, obwohl sie so krank waren, dass sie den Tag lieber freinehmen sollten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arbeitnehmer das macht, ist somit drei Mal so groß wie das Risiko, dass jemand krankfeiert. Denn wegen einer angeblichen Erkrankung schon einmal daheim geblieben sind der Umfrage zufolge nur 23 Prozent der Briten.

Durch diesen Trend ist die Zahl der Krankenstandstage pro Arbeitnehmer und Jahr in Großbritannien von 7,2 im Jahr 1993 auf nur noch 4,3 Tage im Jahr 2016 gesunken. Was Unternehmen auf den ersten Blick freuen mag, ist dem Versicherer zufolge aber eher ein Problem. "Der in Teilen durch die zunehmende Always-on-Kultur getriebene Presenteeism ist eine echte Gefahr für die Unternehmensperformance", meint Doug Wright, Medical Director bei Aviva UK Health. Das liege an den negativen Auswirkungen auf Produktivität und Arbeitsmoral, die krank am Arbeitspaltz erscheinende Mitarbeiter haben.

Angst vor den Arbeitsbergen

Ein Grund für den Trend zum krank Arbeiten ist Aviva zufolge, dass rund zwei von fünf Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft fürchten, wie viel Arbeit bei einer krankheitsbedingten Abwesenheit liegen bleibt und welche Berge demnach bei der Rückkehr zu bewältigen wären. "Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie eine Arbeitskultur schaffen, in der sich Menschen nicht unter Druck gesetzt fühlen, krank zur Arbeit zu erscheinen, sondern sicher sind, dass mit ihrer Abwesenheit effektiv umgegangen werden kann", mahnt daher Wright.

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