Erektionsprobleme - Zum Tangotanzen braucht es zwei

Tanzen kann man ohne Worte, Liebe machen nicht. Das zeigt sich spätestens dann, wenn in der Sexualität Probleme auftauchen. Bei Erektionsproblemen reagieren Mann und Frau ganz unterschiedlich. Sie müssen aufeinander zu gehen, um sich wieder zu finden.

iStock / Peopleimages

„Es gib nur eine Liebe, aber tausend verschiedene Varianten davon!“, schreibt die österreichische Schriftstellerin Maria von Ebner-Eschenbach. Im Laufe der Zeit wird deshalb jedes Paar seine eigene Sexualität entwickeln. Je offener über die Bedürfnisse, Wünschen aber auch Grenzen gesprochen wird, desto erfüllter wird sie sein. Aber Achtung vor falschen Erwartungen: Wie in der Beziehung selbst wird es auch im erotischen Leben eines Paares Höhen und Tiefen geben.

Stress ist ein Sexkiller

Die meisten psychologischen Erektionsstörungen gehen aufs Konto von Berufs- und Beziehungsstress. Auch Druck von aussen durch sexuelle Mythen und Pornografie sind nicht zu unterschätzen. Pornografie ist sichtbar gemachte Männerfantasie. Fantasie eben, mittlerweile aber so allgegenwärtig, dass man den Unterschied schon fast nicht mehr kennt. Die Anregung wird zum Krampf in den Doppelbetten.

Körperliche Ursachen

Dabei braucht es für guten Sex so gut wie nichts. Nichts ausser Entspannung und Gelassenheit. Wenn wir die Erektion nicht zur Fortpflanzung brauchen, dient sie dem reinen Vergnügen. Sie ist fast schon ein Luxus, ein Geschenk. Doch auch die Potenz altert. Die Krankheiten unserer Wohlstandsgesellschaft  Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen usw. – bereiten ihr ein frühzeitiges Ende. Deshalb ist es doppelt wichtig, nach den Gründen für die Erektionsstörung zu suchen: Durch die frühzeitige Entdeckung und Behandlung ernsthafter Erkrankungen kann auch die Erektionsfähigkeit länger erhalten bleiben. - Höchste Zeit, darüber zu sprechen!

Wer macht den ersten Schritt?

Doch wenn es im Bett Probleme gibt, herrscht erst einmal Schweigen. Die eigene Sexualität ist eines der bestgehüteten Geheimnisse. Wenn der Mann sich zurückzieht, ist es an der Frau, die Hand auszustrecken. Aber wie spricht sie ihn auf so ein heikles Thema an? Am besten fragt sie interessiert nach: „Wie ist das für dich, wenn es nicht geht? Was bedeutet das für dich?“ Und dann sollte sie herausfinden, was er denn meint, wie es für sie sei. Darin bestehen die grössten Missverständnisse. Frauen haben mit der Erektionsstörung meistens weit weniger Probleme, als Männer sich das vorstellen können. Ist das Eis erst einmal gebrochen, gibt es viel zu besprechen. Was hat uns unserer körperliche Liebe bisher bedeutet und wie soll sie in Zukunft sein? Möglichkeiten gibt es viele. Es gibt befriedigenden Sex ohne Erektion und Penetration, der für beide Partner zum Orgasmus führen kann. Und es gibt Medikamente und Hilfsmittel, die trotz Erektionsstörung eine Erektion auslösen können und „normalen“ Sex ermöglichen. Gute Ansprechpartner sind zum Beispiel der Hausarzt oder ein Urologe. Jedes Paar muss seinen eigenen Stil finden. Denn auch wenn sich der Tanz ein wenig ändert - die Musik bleibt dieselbe.

 

Interview

„Viele sprechen zu Hause nicht über Sex“

Frau Dr. med. Maria Ziembrowski, Urologin mit Praxis in Frauenfeld, erklärt im Interview, wie Paaren mit Erektionsstörung geholfen werden kann.

Welche Vorteile hat es, wenn das Paar gemeinsam zu Ihnen in die Praxis kommt?

Das hat grosse Vorteile. Viele sprechen zu Hause nicht über Sex. Wenn ich als Vermittlerin dabei bin, sprechen sie vielleicht erstmals über ihre Bedürfnisse und Wünsche. Das ist sehr wichtig. Wenn Männer sich zurückziehen, interpretieren Frauen das oft völlig falsch. Sie denken vielleicht, sie seien nicht mehr attraktiv oder er würde fremdgehen. Im Gespräch kann vieles ausgeräumt werden, was die Beziehung belastet. Auf einmal verspüren die Partner wieder Nähe. Manchmal gibt es sogar Tränen in den Augen.

Gibt es für ein Paar auch andere Wege der Befriedigung?

Ja. Der Mann zum Beispiel braucht keine volle Erektion, um zum Orgasmus zu kommen. Eine starke Erektion ist wichtig für die Penetration. Auch mit halber Erektion oder schlaffem Penis kann der Mann zum Orgasmus kommen, wenn die Eichel richtig stimuliert wird. Das wissen viele nicht. Wie eine Frau ohne Penetration befriedigt wird, ist besser bekannt.

Und wenn das Paar Geschlechtsverkehr wünscht?

Dann sind die PDE-5-Hemmer Mittel der ersten Wahl. Es gibt kurzwirksame und langwirksame, es gibt sie in verschiedenen Dosierungen. Damit wir aber das richtige Mittel verschreiben, müssen wir die Bedürfnisse, die sexuellen Frequenzen und Partnerschaftsgewohnheiten genau kennen. Wenn der Mann jederzeit bereit sein soll, braucht er permanente Unterstützung. Häufig kann man die Sexualität aber ein wenig planen und dann reicht eine Einnahme bei Bedarf. 

Was müssen Frauen und Männer über die Wirkung der Potenzpille wissen?

Die Pille unterstützt die natürlichen Abläufe, die Erektion kommt nicht von alleine, es braucht den sexuellen Reiz. Sie unterstützt die Mechanik, ist aber kein Aphrodisiakum. Und nach dem Orgasmus verschwindet die Erektion auch wieder.

Was raten sie einem Paar mit ED?

Sprechen Sie über Ihre sexuellen Wünsche und Probleme! Wenn man unter einer Decke schläft, sollte man die Probleme auch an einem gemeinsamen Tisch besprechen. Dadurch fällt eine grosse Belastung von beiden Partnern und Missverständnisse können ausgeräumt werden. 

Medienpartner

Grosspeterstrasse 23
CH-4002 Basel
Telefon: +41 58 958 96 96
E-Mail: info@mt-public.ch

© Copyright 2015 - Swissprofessional Media AG