Intimität und Partnerschaft mit Psoriasis - Probleme und Chancen

Eine liebevolle Beziehung und Zärtlichkeiten - das wünschen wir uns alle. Eine Psoriasis kan die Sexualität und das gemeinsame Zusammenleben jedoch auf eine Probe stellen. Denn diese Hautkrankheit aknn sich auf die persönlichsten Bereiche des Lebens auswirken.

iStock/Dean Mitchell

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Schätzungsweise 2‒3% der Bevölkerung sind davon betroffen. Es gibt verschiedene Formen der Psoriasis. Am häufigsten ist die sogenannte Plaque-Psoriasis (Psoriasis vulgaris). Dabei bilden sich runde oder ovale Flecken auf der Haut, die sognannten Plaques. Die Haut ist an diesen Stellen gerötet und mehr oder weniger mit silbrig-weissen Schuppen bedeckt. Daher auch der Name «Schuppenflechte». Grundsätzlich können diese Hautveränderungen an jeder Körperstelle auftreten. So auch im Genitalbereich. Und das ist nicht selten. Bei 30%– 60% der Psoriatiker ist zumindest vorübergehend auch der Intimbereich betroffen.

Weniger Zärtlichkeiten und Sex

Psoriatiker schämen sich oft für die sichtbaren kranken Hautareale und haben mit Ablehnung, Vorurteilen und Stigmatisierung zu kämpfen. Viele ziehen sich von sozialen Aktivitäten zurück. Psoriasis im Genitalbereich beeinträchtigt nicht nur den sozialen Austausch, sondern auch das Liebesleben in besonderem Masse. Das Kennenlernen potenzieller neuer Partner ist für viele schwierig. Aus Angst vor Zurückweisung werden Körperkontakt, Zärtlichkeiten und Sex vermieden. Oft existieren aber auch konkrete körperliche Gründe für diese Vermeidungsstrategien: Psoriasis im Genitalbereich kann jucken, stechen und brennen, und zwar schlimmer als an anderen Körperstellen. Beim oder nach dem Geschlechtsverkehr können die Beschwerden noch stärker werden – im schlimmsten Fall für mehrere Stunden oder Tage. Klar, dass einem da die Lust vergeht. Zusammengefasst kann man sagen: Psoriasis im Genitalbereich schränkt die Lebensqualität schmerzlich ein. Und zwar noch stärker, als das eine «normale» Psoriasis ohnehin schon macht.

Weder Betroffene noch Ärzte sprechen darüber

Es ist zwar verständlich, aber dennoch tragisch, dass Betroffene viel zu selten über Psoriasis im Genitalbereich und Probleme mit dem Sex reden – nicht einmal mit ihrem Arzt. Wer nicht darüber spricht, kann auch nicht behandelt werden. Obwohl es durchaus Therapien gibt, die sich bei Genital-Psoriasis als wirksam erwiesen haben. Noch tragischer scheint jedoch, dass selbst Ärzte es meist unterlassen, ihre Psoriasis-Patienten auf Hautveränderungen im Genitalbereich und auf sexuelle und partnerschaftliche Probleme anzusprechen. Drei von vier Betroffenen denken daher zu Recht, dass ihr Arzt in dieser Hinsicht zu wenig Initiative zeigt.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

Psoriasis wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Diese Einteilung kann dem behandelnden Arzt als Orientierung dienen, welche Therapien angezeigt sind. Leichte Formen können zum Beispiel meist mit lokal aufgetragenen Crèmen und Salben behandelt werden. Reicht das nicht aus, kann zusätzlich eine Lichttherapie eingesetzt werden. Mittelschwere und schwere Formen der Psoriasis oder bei einer Beteiligung der Gelenke (sogenannte Psoriasis-Arthritis) werden dagegen zusätzlich mit Arzneimitteln zum Einnehmen behandelt. Diese Einteilung und vorgeschlagenen Behandlungen sind aber nicht starr. Das ist wichtig zu wissen. Denn die Beschwerden bei genitaler Psoriasis können so einschränkend sein, dass die Psoriasis den Stellenwert einer mittelschweren bis schweren Psoriasis erreichen kann, obwohl die anderen Hautbereiche vielleicht nur leicht betroffen sind. Bei einer Genital-Psoriasis darf der Arzt also aus dem Vollen schöpfen, um die Beschwerden und die Lebensqualität zu verbessern. Für Betroffene bedeutet das, dass sie für sich selbst und ihre Bedürfnisse einstehen und dem Arzt mitteilen müssen, was sie sich von der Therapie erhoffen.

Therapieziele festlegen

Vor jedem Arzttermin sollten Betroffene sich darüber Gedanken machen, wie stark die Krankheit den Alltag beeinträchtigt und welche Verbesserungen sie sich von einer Therapie konkret wünschen. Es kommen immer wieder neue Therapieoptionen dazu und es darf offen nach neuen Therapien, Alternativen oder unterstützenden Massnahmen gefragt werden. Hilfsmittel wie die Psori-Checkliste (siehe Box) können dabei helfen, sich mit der eigenen Erkrankung auseinanderzusetzen und sich auf den Arzttermin vorzubereiten. Dazu gehört auch, sich darüber klar zu werden, welche Ziele mit einer Therapie erreicht werden sollen.

Mögliche individuelle Therapieziele sind:
•    Ich möchte Zärtlichkeiten und Sex geniessen können.
•    Ich möchte keinen Juckreiz mehr haben.
•    Ich möchte keine Schmerzen verspüren.
•    Ich möchte gerne im Sommer wieder kurze Hosen und T-Shirts tragen können.
•    Ich möchte gerne schöne Nägel haben.
•    Ich möchte ohne Gelenkschmerzen kochen oder Wandern gehen können.

Während der Konsultation können dem Arzt zum Beispiel folgende Fragen gestellt werden:
•    Was kann ich von einer Behandlung erwarten?
•    Woran merke ich, dass die Behandlung wirkt?
•    Wie lange dauert es, bis meine Beschwerden besser werden?
•    Welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen?
•    Welche Alternativen oder unterstützenden Massnahmen kommen in Frage?

Nicht jedem fällt es leicht, über Probleme im Intimbereich und bei der Sexualität zu sprechen. Wer sich scheut, diese Themen in der Sprechstunde aufzugreifen, kann das zum Beispiel auch schriftlich tun, in dem er dem Arzt ein paar Tage vor der Konsultation einen Brief oder eine E-Mail zukommen lässt. Dann kann der Arzt das Gespräch eröffnen und das Eis ist gebrochen.

Partner sind eine wichtige Stütze

Psoriasis-Betroffene wünschen sich das Verständnis und die Unterstützung ihrer Partner und Familien, denn diese spielen eine entscheidende Rolle im täglichen Umgang mit der Krankheit und sind eine wichtige Quelle für seelisches Wohlbefinden. Glücklicherweise zeigen die meisten Partner Mitgefühl und Anteilnahme. Das hilft Betroffenen, eine positivere Einstellung zu ihrer Krankheit zu entwickeln und motiviert sie gleichzeitig, ärztliche Hilfe zu suchen und die Therapie gewissenhaft durchzuführen. Und trotzdem: Wenn die Intimität zwischen den Partnern unter der Erkrankung des einen leidet, wird die Beziehung zuweilen auf eine harte Probe gestellt. Dann wird von beiden Seiten absolute Offenheit und viel Flexibilität gefordert. Daraus ergibt sich aber auch die Chance, einander noch besser kennenzulernen und auf einer noch tieferen Ebene näherzukommen. Wenn das gelingt, unterscheiden sich feste Beziehungen von Psoriasis-Betroffenen nicht wesentlich von Beziehungen, bei denen die Partner keine Hautkrankheit aufweisen. Weil am Ende nicht die Haut, sondern die Liebe zählt.

Dr. pharm. Chantal Schlatter, Apothekerin


Schweizerische Psoriasis- und Vitiligo-Gesellschaft

Die Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft (SPVG) ist eine gemeinnützige Patientenorganisation, die sich in der ganzen Schweiz für Menschen mit Psoriasis und Vitiligo auf vielfältige Weise einsetzt – für eine bessere Lebensqualität. Weitere Informationen und Links auf www.spvg.ch.

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