Multiples Myelom - Jeden Patienten individuell behandeln

Der Blutkrebs befällt die Plasmazellen und wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Im Vergleich zu früher hat die Therapie grosse Fortschritte gemacht. Sie ist nicht nur wirksamer, sondern auch einfacher in der Anwendung geworden, so dass Patienten ihr Leben heute nicht mehr nach ihrer Krankheit richten müssen. Doch der Krebs im Knochenmark wird leicht übersehen.

iStock / Jacob Wackerhausen

Plasmazellen sind eine spezielle Art von Blutzellen, die für die Herstellung von Antiköpern zuständig sind. Plasmazellen werden im Knochenmark gebildet. Normalerweise vermehrt sich eine Plasmazelle nur so lange, wie sie für die Bildung von Antikörpern bei der Immunabwehr gebraucht wird. Bei einem multiplen Myelom verändern sich die Plasmazellen. Sie verlieren ihre natürlichen Kontrollmechanismen und werden bösartig. Bösartig, weil sie sich fortan unkontrolliert vermehren. Dadurch werden die gesunden Blutzellen verdrängt und Antikörper produziert, die gar nicht funktionsfähig sind. Durch den Krebs im Knochenmark wird auch der Knochen in Mitleidenschaft gezogen.

Unspezifische Beschwerden

Ein multiples Myelom verursacht in den meisten Fällen Schmerzen. Allerdings sind die Symptome oft unspezifisch, das heisst, nicht besonders typisch für ein multiples Myelom. Betroffene klagen zum Beispiel über Rücken- oder Knochenprobleme, bei dem der Arzt nicht als erstes an ein multiples Myelom denkt. Auch Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Anfälligkeit für Infektionen, Temperaturerhöhung, ungewollter Gewichtsverlust oder Nachtschweiss sind nicht sehr spezifisch. So können viele Monate vergehen, bis die korrekte Diagnose gestellt worden ist. 

In der Schweiz erkranken jährlich ca. 560 Personen, mehr Männer als Frauen. Im Schnitt sind Betroffene bei der Diagnose 70 Jahre alt. Weil immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen, steigt auch die Zahl der Betroffenen an, vor allem in der westlichen Welt, wo diese Erkrankung am häufigsten vorkommt. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Therapieoptionen gestiegen. Sie können das Leben von Menschen mit einem multiplen Myelom verlängern und die Lebensqualität erhalten.

Behandlungsmöglichkeiten

Heute beginnt man deutlich früher mit einer Therapie, bevor der Körper Schaden nimmt. Unbehandelt können mit der Zeit nämlich Folgeschäden wie Nierenversagen, Blutarmut oder Knochenbrüche entstehen.

Ein Multiples Myelom kann auf verschiedene Arten und Weisen behandelt werden. Zu den zwei häufigsten Therapien gehören Medikamente, die das Wachstum der Myelomzellen stoppen bzw. die Myelomzellen abtöten. Dazu zählen Wirkstoffgruppen wie Proteasom-Inhibitoren, immunmodulierende Medikamente oder monoklonale Antikörper. Die zweithäufigste Therapie ist die sogenannte Blutstammzelltransplantation nach hochdosierter Chemotherapie. Dabei wird zunächst das gesamte Knochenmark mit hoch dosierter Chemotherapie ausgelöscht. Anschliessend wird das Mark durch gesunde Blutstammzellen ersetzt, die man vorher entnommen und isoliert hat. Zur Linderung von Knochenschmerzen und zur Vorbeugung von Knochenbrüchen wird auch die Strahlentherapie („Bestrahlung“) eingesetzt. Dank moderner Therapien leben Menschen mit multiplem Myelom heute länger und besser. Die Überlebenschancen haben sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt.

Individuelle Therapien

Nicht nur die Wirksamkeit der Therapien hat sich verbessert, sie sind auch verträglicher und einfacher in der Anwendung geworden. Nebst Infusionen beim Arzt gibt es heute einige Therapien in Tablettenform, die ebenso gut wirken und sicher sind. Natürlich muss die optimale Therapie für jeden Patienten individuell ausgewählt werden. Das hängt nicht zuletzt von seinem Allgemeinzustand, seinem Alter, weiteren Erkrankungen, seinen Beschwerden, dem Krankheitsstadium und den bereits durchgeführten Behandlungen ab. Doch in die Entscheidung, welche Therapie zum Einsatz kommt, bezieht der Arzt in der Regel auch seinen Patienten mit ein. Dabei sind den Betroffenen zwei Dinge besonders wichtig: Die Wirksamkeit der Therapie und die Möglichkeit, die Medikamente schlucken zu können. Ob das in einem konkreten Fall möglich ist oder nicht – der Patient ist motivierter, wenn er in die Entscheidung miteinbezogen wurde. Er wird die Medikamente möglicherweise zuverlässiger einnehmen, was zu besseren Ergebnissen führen kann. Kurz: Myelom-Patienten müssen ihr Leben heute nicht mehr nach der Krankheit richten, aber eine gewisse Verantwortung für ihre Behandlung übernehmen.

Die Forschung vorantreiben

Trotzdem bleibt viel zu tun. Geheilt werden kann die Erkrankung nach wie vor nicht. Im Vergleich zu Brustkrebs beispielsweise, bei dem 90% aller Betroffenen nach fünf Jahren noch leben, sind es beim multiplen Myelom nur 50%. Nicht jedem Patient kann mit den existierenden Therapien ausreichend geholfen werden. Deshalb ist es wichtig, dass die Forschung auf diesem Gebiet weiterhin vorangetrieben wird: Bereits heute befinden sich mehr Wirkstoffe und Therapieoptionen in der klinischen Forschung als je zuvor. 

Myelom Kontaktgruppe Schweiz

Die Myelom Kontaktgruppe Schweiz verfolgt das Ziel, das Leben von Patienten mit multiplem Myelom und ihren Angehörigen zu verbessern, indem sie den schriftlichen, telefonischen und persönlichen Kontakt unter Betroffenen und mit den Ärzten fördert. Die nationale Patientenorganisation bietet Betroffenen zudem weitere Services wie Broschüren, Informationsanlässe oder ein Bulletin an. 

Weitere Informationen finden Sie unter: Opens external link in new windowwww.multiples-myelom.ch

Dr. pharm. Chantal Schlatter, Apothekerin

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