Weniger übergewichtige oder adipöse Kinder in der Schweiz

Soziale Unterschiede bleiben bestehen

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Gesundheitsförderung Schweiz untersuchte zum dritten Mal die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Schüler/innen in verschiedenen Regionen der Schweiz. Die Auswertung der Daten zeigt, dass über alle Schulstufen betrachtet 16,4 % übergewichtig oder adipös sind. Damit sinkt die Anzahl betroffener Kinder leicht, ein Grund zur Entwarnung ist dies jedoch nicht.

Für die Untersuchung standen Gesundheitsförderung Schweiz Daten der schulärtzlichen Dienste von elf Städten und Kantonen zur Verfügung. Es sind dies die Städte Bern, Freiburg und Zürich sowie die Kantone Basel-Stadt, Bern, Graubünden, Jura, Luzern, Obwalden, St. Gallen und Uri.

Anteil Übergewichtige steigt mit Alter der Kinder

Der Anteil übergewichtiger und adipöser Schüler/innen wächst mit steigendem Alter der untersuchten Personen: Ist im Kindergarten oder der 1. Klasse jedes neunte Kind übergewichtig oder adipös, so ist es in der Oberstufe mehr als jeder fünfte Jugendliche. „Der Fokus der Präventionsmassnahmen liegt heute im Vorschulalter sowie im Kindergarten resp. im frühen Schulalter“, erklärt Prof. Dr. Thomas Mattig, Direktor Gesundheitsförderung Schweiz, diesen Unterschied. „Die Ergebnisse aus unserer Untersuchung zeigen, dass im Bereich der Mittel- und Oberstufe erhöhter Handlungsbedarf bezüglich Prävention und Information besteht“, hält Mattig fest.

Erklärbare Unterschiede

Zwischen den Kantonen und Städten gibt es teilweise erhebliche Unterschiede. Während das Auftreten von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in den Kantonen Uri, Obwalden und St. Gallen unter dem Durchschnitt liegt, ist sie in den Städten Freiburg und Zürich sowie im Kanton Basel-Stadt eher überdurchschnittlich. Weitere Analysen zeigen, dass es in der Schweiz mit Blick auf das Übergewicht von Kindern und Jugendlichen offenbar einen Stadt-Land-Unterschied gibt. Der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher liegt in städtischen Gebieten bei 17 %, wohingegen der Anteil auf dem Land bei 14 % liegt.

Eine vertiefte Analyse zeigt jedoch: hinter den Stadt-Land-Unterschieden verbergen sich Unterschiede aufgrund der sozialen Herkunft. So ist fast jedes vierte ausländische Kind übergewichtig oder adipös (24 %). Bei den Schweizer/innen sind es zum Vergleich knapp 14 %. Diese Befunde rücken den Stadt-Land-Unterschied in ein anderes Licht. Da der Ausländeranteil in den untersuchten städtischen Gebieten höher ist (32 %) als in ländlichen Regionen (18 %), resultiert aus der unterschiedlichen Bevölkerungszusammensetzung ein höherer Anteil übergewichtiger Kinder im städtischen Umfeld.

Grosser Einfluss der sozialen Herkunft

Noch deutlicher sind die Unterschiede nach Schulbildung der Eltern, die mit der sozialen Herkunft beschrieben wird. Fast ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen von Eltern ohne nachobligatorische Schulbildung ist übergewichtig. Bei den Kindern von Eltern mit einem Lehrabschluss sind es noch 19 % und bei den Kindern von Eltern mit einem Hochschulabschluss sogar nur knapp 10 %.

Langzeitvergleich zeigt Verbesserung

Im Vergleich zu den Untersuchungen 2010 und 2013 zeigt sich, dass heute leicht weniger Kinder und Jugendliche übergewichtig oder adipös sind. „War in der ersten Studie im Jahr 2010 noch fast jedes fünfte untersuchte Kind übergewichtig oder adipös, so ist es aktuell noch jedes sechste Kind“, zieht Bettina Abel, Leiterin Programme und Vizedirektorin Gesundheitsförderung Schweiz, Bilanz. „Die Reduktion des Anteils übergewichtiger Kinder in der Grundstufe kann als Hinweis interpretiert werden, dass die Massnahmen wirken und fortzusetzen sind“, fährt sie fort. „Da sich die Oberstufe aber lediglich stabilisiert hat, sollten die Präventionsbemühungen hier intensiviert werden.“

Zum Faktenblatt „Vergleichendes Monitoring der Gewichtsdaten von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz“: https://gesundheitsfoerderung.ch/assets/public/documents/de/5-grundlagen/publikationen/ernaehrung-bewegung/arbeitspapiere/Arbeitspapier_041_vgl._BMI_Monitoring.pdf

 

 

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